TÖCHTERLICH DIE ZEIT

BUCH 1

Zahllose Gestalten des Ich

24.50 €
ISBN 978-3-99018-071-6
BUCHER Verlag, Hohenems – Wien – Vaduz

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Die gescheiterte Familie – den Wandel begreifen

Uns alle trifft der Umbruch mit voller Wucht, erfahrbar im Auseinanderbrechen der Familien. Das Zusammenleben von Mann und Frau ist dabei, seine alten christlich bürgerlichen Bilder zu verlieren. Den Umbruch zu verstehen erfordert neue Begriffe, neue Modelle des Menschen. 

Wir verabschieden die Vorstellung eines rational definierten Ich. Das Innere des Menschen ist soziale Wirklichkeit, verkörpert in der Vielgestaltigkeit des Ich und entspricht dadurch der äußeren sozialen Wirklichkeit. Alle soziale Inszenierung des Menschen ist eine Inszenierung der inneren Gestaltrealität der Ichbühne der Gestalten. Über unsere liebgewordene Vorstellung eines rationalen Ich als das Zentrum der Persönlichkeit befanden wir uns bisher in einem vergleichbar vorkopernikanischen Weltbild, in dem sich die Sonne um die Erde zu drehen schien. Diese Vorstellung können wir als philosophisches Märchen verabschieden und mit ihr die bekannten Konzepte des Unbewussten, des Instinktes, des Triebes, der Intuition, des Gewissens, des Gedächtnisses und der Dreiteilung von Körper Geist und Seele. 

Das Ich wird bestimmt in seiner Vielgestaltigkeit, die Gestalten des Familiären und die Eigengestalt sind die zentralen Gestalten. Jede Gestalt kann Zentrum des Icherlebens sein, das Zentrum befindet sich über den Wechsel der Situationen in einem permanenten Fluss und Wandel. Diese Gestalten des Ich, aufgebaut nach dem Vorbild des gesamten Menschen, umfassen jeweils alle menschlichen Funktionen und sind gleichzeitig verkörperte Geschichte. Die Geschichte muss enden dürfen. Die Gestalten des Ich so zu leben, dass sie sich beenden, dass sie sterben, ist die Aufgabe jedes Menschen. Diesen Prozess des Zuendelebens der Gestalt ist die Bedeutung und Aufgabe der Töchterlichen Zeit. 

 

Die Tochter ist Göttin der Zeit, so lautet der neue Mythos, zuende ist das gewalttätig-autoritäre Zeitalter der Göttersöhne.

Das Zuendeleben der Gestalt als Thema und Aufgabe der Kunst mündet in die Formulierung der Utopie der Kunst: die Überwindung der Gestalt und damit der Geschichte, formuliert als Utopie der Geschichtlichkeit als das Ende des Leidens an der Gestalt. Das Zuendeleben der Gestalt konfrontiert uns alle mit dem Nichtskern der menschlichen Existenz, erfahrbar als absolute Einsamkeit, Öde und eisige Starre, eine Erfahrung, die wir bisher als Depression bezeichnen. Diesen Nichtskern aufzulösen wird zur größten Herausforderung des menschlichen Daseins, um sie zu meistern ist es nötig, die alten Denk-bahnen des menschlichen Selbstverständnisses zu verlassen. 

Das Machtmotiv stand über viele Jahrhunderte im Zentrum der Familie und definierte die Regeln des Zusammenlebens. Durch das Leben und Zuendeleben der Ichgestalt rückt das Prinzip der Entwicklung in das Zentrum der Familie und bildet somit die Grundlage dafür, dass die Familie als Entwicklungsraum für Kinder und Eltern, für alle, wieder lebbar wird. Sie hat nicht wirklich eine Alternative. 

Im Zuendeleben der Gestalt kehrt das Bewusstsein als Gestalter dieser Bewegung zurück in die Einheit der Bildlosigkeit, in die Versöhnung der Gegensätze.

 

Auszug:

Das Bewusstsein formuliert die innere wie äußere soziale Natur im Bilde personaler Gestalt in der Ausstattung mit allen menschlichen Funktionen. Die Darstellung personalen Geschehens kann sowohl die innere wie die äußere soziale Wirklichkeit wiedergeben. Die menschliche Erkenntnis bedient sich des Bildes wie des Schließens. Das Bild, ob gestaltet oder sprachlich ausgedrückt, ist in der Lage, Erkenntnis zu bilden. Die sprachlich ausgedrückte Erkenntnis, ob logischen Regeln folgend oder nicht, ist Erkenntnis des Bewusstseins. Das Bewusstsein bildet personale Gestalt und bedient sich aller menschlichen Funktionen und bleibt doch eins. Das Bewusstsein ist sich selbst in den Instanzen der Vernunft, des Verstandes, der Intuition und des Mythischen Denkens, also macht es keinen Sinn, diese Instanzen voneinander zu trennen, sie sind im Bewusstsein eins. Keine dieser Instanzen erzeugt das Wesen des Menschen oder gar das Ich.

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